Die 30er Jahre und die Nazizeit
In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts erhöhte sich die Tauchaer Einwohnerzahl in einem Zeitraum von 10 Jahren (1930-1939) sprunghaft von ca. 7.000 auf mehr als 16.000. Ursache dafür waren die Ansiedlungen großer Industriebetriebe oder ihrer Niederlassungen wie der MIMO, der HASAG und der Erla-Werke in Taucha oder dessen unmittelbarer Nähe und den durch sie bedingten Wohnungsbau. Natürlich wuchs auch die Schülerzahl stark an, im o. g. Zeitraum von l.050 auf l.860, dazu kamen noch 640 Berufsschüler.
An Schulräumen wurde unterrichtet in der Volksschule an der Pinkepank (heute Geschw.-Scholl-Straße), 3 kleinen Gebäuden in Cradefeld und Dewitz, dem alten Krankenhaus sowie in verschiedenen Noträumen. Durch den damaligen Bürgermeister Dr. Uhlemann war auf diese Entwicklung schon am 02.04.1936 mit dem Einreichen einer l. Petition an die Landesregierung zur Unterstützung eines Schulneubaus reagiert worden. Doch es vergingen noch mehr als 4 Jahre, ehe die neue Schule fertig war.
Am 11.03.1939 erfolgte die Grundsteinlegung in den neuen Wohngebieten zwischen Richthofenstraße (heute Friedrich-Engels-Straße), Plüschowstraße (F.-Lassalle-Straße), Klebendorfer Straße und Ritter-von-Müller-Straße (R.-Breitscheid-Straße), am 08.06.1939 war Richtfest in dem insgesamt 23.980 m2 großen Gebiet. Wegen der großen Schulraumnot wurde die Schule noch unfertig am 17.04.1939, 19.30 Uhr feierlich eröffnet. Der Unterricht begann mit 250 Kindern in acht Klassen unter dem l. Rektor Neuhoff.
Noch im Juli 1939 wurde die Zucht von Seidenraupen aufgenommen, um an der Produktion von Rohmaterial für Fallschirmseide mitzuwirken. Die offizielle Einweihung des 750 Tausend Reichsmark teuren Schulneubaus in Sachsen, des l. während der NS-Zeit, konnte wegen durch die Auslösung des 2. Weltkrieges eingetretener Verzögerungen insbesondere beim Innenausbau erst am 02.11.1940 festlich begangen werden.
Am 04.11. zogen die Oberklassen der beiden Tauchaer Volksschulen und der Klassen M3/M4 der Mittelschule nach einem Appell in der Volksschule l (heute Geschw.-Scholl-Gymnasium) sowie die Schüler der gesamten Berufsschule in die neue Schule ein. Der Unterricht unter den beiden Rektoren Richter (Volksschule) und Wunderlich (Berufsschule) konnte nunmehr komplett fortgeführt werden bzw. beginnen. Zu bemerken ist hierzu, dass das Unterbringen der Berufsschule nur als Zwischenlösung gedacht war, denn inzwischen war auch der Bau einer neuen Berufsschule vom damaligen Reichserziehungsministerium genehmigt.
Die damalige Zuordnung der auf den Entwurf des Architekten Dr. Ing. Born unter Beteiligung einer Reihe von Tauchaer Handwerksfirmen gebauten Gebäude entsprach der heutigen. Das Hauptgebäude war über einen niedriger gehaltenen Mittelbau mit dem Turnhallengebäude verbunden. Das Außengelände war unterteilt in einen großen Rasensportplatz, 2 Schulhöfe, l Appellplatz sowie den Schulgarten und Freiluftsunterrichtsplätze.
Bemerkenswerteste Unterschiede zur heutigen Nutzung der 19.500 m3 umbauten Raum aufweisenden Gebäude waren der Einbau von 4 Räumen als Luftschutzkeller und von Räumen für die Seidenraupenzucht nahe der Hausmeislerwohnung. Der die Schule bewachende Löwe wurde vom Leipziger Bildhauer Bruno Eyermann geschaffen, dem Künstler, von dem auch die D arstellung des Tauchaer Stadtgründers, des Magdeburger Erzbischofs Wichmann, als Holzintarsie im Ratssaal des Tauchaer Rathauses zu sehen ist.
Die nazistischen Symbole, Plastiken und Darstellungen an den Gebäuden, in der Schule und im Außenbereich wurden nach Kriegsende entfernt, sofern sie nicht schon beim Bombenangriff am 20.02.1944 auf die Mittelschule (Treffer Nordflügel) zerstört worden waren.
Historie weiterlesen | Herunterladen | Seitenanfang

